To whom it may concern: ich bin eine Stunde lang die Street Twin probegefahren. Vielen Dank an dieser Stelle dafür an Q-Bike in Hamburg, die waren sehr freundlich, entspannt und unkompliziert. Dies ist kein wirklicher Vergleich mit der Street Triple, denn die sind wie Bud Spencer und Terrence Hill.
Optik, Haptik, Materialgüte Wunderbar reduziertes, pures und schlankes Motorrad. Sehr niedrig, ohne plump oder „Fahrschulig“ zu sein. Feine, teils liebevolle Details, alles sauber entgratet. Ausnahmen: Der Wasserkühler ist kein Fest für die Augen, Handbremshebel und Kupplungshebel wackeln in den Buchsen (ca. 3300 km Laufleistung), der Lack (Standard Jet Black) scheint recht empfindlich, da Kratzer vorhanden. Anfassqualität dennoch prima. Massive Schwinge mit solider Ketteneinstellung. Sehr günstige, einfache Federelemente. Lenkerschalter/Armaturen recht groß und klobig, aber sehr sicher und gut zu bedienen. Großteils wertige Schrauben und Muttern. Fußbrems- & Schalthebel sehr fein gearbeitet, kein billiger Pressstahl wie bei der Duc Scrambler oder der Guzzi V7. Dennoch muss man gewisse Bereiche im Blick behalten und pflegen, damit es keinen Rost und Gammel gibt, glaube ich. Weitgehend sauber verlegte Elektrik und Kabel.
Sound Richtig toll! Satt, dumpf und tief. Da braucht man kein Hurra-Tüten mehr.
Fahrwerk und Komfort Sehr komfortabel weich gefedert, ohne zu gautschen, zu wackeln oder zu rühren. Jedoch keinesfalls sportlich progressiv. Komplett nix einstellbar, dennoch passte mir das gut bei 1,78 m/84 kg. Recht handlich, wunderbar über Fußrastendruck und aus der Hüfte raus kontrollierbar. Hebeleien vollständig einstellbar, aber matschiges Griffgefühl an Kupplung und Gasgriff. Ergonomie sehr entspannt und entspannend – ohne das Gefühl, wie ein nasser Sack Kartoffeln oben drauf zu sitzen. Schmale Fußrastenbasis, ermöglicht das Anstellen der Fußballen und hervorragendes Kontrollgefühl – prima. Selbst in tiefer Schräglage setzt nix auf. Freche Landstraßenmanöver sind bis leicht erhöhte Geschindigkeitsbereiche immer spielend möglich. Kein Fahrwerk zum „Ballern“, lässt aber viel Raum für allmöglichen Quatsch im rosaroten StVO-Bereich.
Motor und Performance Bäriges Drehmoment in Unten/Mitte Abstimmung! Für die Landstraße reicht der 3./4. Gang, es zieht immer satt voran. Ich hatte nie den Eindruck, untermotorisiert zu sein. Vehementer, weicher und unaufgeregter Zug bis 130 km/h. Keine Lastwechsel. E-Gas und Servokupplung von der Bedienung her ziemlich matschig und zu weich, muss man sich dran gewöhnen. Sauber Gas anlegen braucht Übung und Feingefühl. Schaltschläge ausgeprägt, bessert sich aber, wenn man ganz weich und mit Gefühl schaltet. Man muss diesen Motor laufen lassen. Kein agiler Dreher, aber auch kein stoischer Zieher. Relativ schnell hat man den Bogen raus, und kommt in einen wunderbaren Flow, kultiviert einen runden Fahrstil und nimmt den Schwung mit. Somit ist man nicht wirklich langsam, sondern eher zügig unterwegs. Vollkommen unaufgeregte, satte und gediegene Leistungsentfaltung – alles geht angenehm geschmeidig weich und fließend. Kein Motor zum „Knallen“, aber auch keinesfalls ein Langweiler.
Fazit Die Triumph Street Twin ist „out-of-the-box“ das in allen Belangen deutlich bessere, spaßigere und hochwertigere Motorrad als z.B. eine H-D Sportster, finde ich. Es hinterlässt keinerlei schalen Beigeschmack von Hipster-Gehabe, Marketinggetue, auch der unsägliche und anstrengende Harley-Live-to-ride-ride-to-live-Route66-Nimbus geht ihr ab. ABS und ESC vorhanden, aber bleiben aber vollkommen unauffällig. Ein Ofen zum Runterkommen. Zum Besinnen. Zum Kalibrieren. Auf das, worauf es ankommt. Kein Ersatz für einen echten Oldtimer, gleichzeitig aber wunderbar unmodern – trotz der Elektronik.
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