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Dieses Thema hat 2 Antworten
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the punk

NewBoarder

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Beiträge: 52



23.06.2009 10:12
Hajo's zweiter Rennbericht der Saison '09 Zitat · Antworten

Mr. Fabulous himself, geniesst es einfach...
Gruß
Mike


T-Cup 2009, Lauf 3 und 4, 06.-07.Juni 2009
Problemzonen, ein Tatsachenbericht aus Schleiz

„Das ist aber ein Type 4“. Ich kannte diesen Blick. Diese hochgezogenen Augenbrauen, diesen
unausgesprochenen Vorwurf des Verbotenen, verpackt in einen unscheinbaren, nichtssagenden Satz.
In den Augen des langhaarigen Bridgestonemanns sah ich ihn, sah ich mal wieder Sabines Vater. Ich
zuckte innerlich zusammen. Meine Knie wurden weich. Wohl nie würde ich diesen Blick vergessen.
Sabines Vater riss seinerzeit die Tür auf und Sekunden später hörte ich schemenhaft die Worte „Ihr
seid Vierzehn!“. Das wusste ich, das wusste er, das wussten wir alle. Er hätte auch „Die Welt ist rund“
oder „Der Himmel ist blau“ sagen können. Es sind diese Killersätze, die keine Diskussion erlauben,
dich verzweifelt nach einem Ausweg suchen lassen. Sabine und ich erkundeten nach monatelangen
Knutschereien zum ersten Mal anatomische Bereiche, die nie ein 14jähriger zuvor gesehen hat. Und
nie, wirklich nie kam der Erziehungsberechtigte während der Knutschereien einfach so ins Zimmer.
Bis zu jenem verhängnisvollem Tag. Wir waren weit davon entfernt, „was unvernünftiges“ zu tun, aber
erklärt das mal einem Vater, dessen Beschützerinstinkt bei seiner einzigen Tochter geweckt ist.
Sinnlos. Irgendwie schaffte ich es, mit hochgezogener schwarzer Adidas-Hose den Ort des
Geschehens lebend zu verlassen. Es folgten lange Briefe und Ausreden von Sabine. IHN sah ich nie
wieder. Ich spielte toter Mann und blieb am Leben aber verlor meine erste Freundin. Ich hab das nie
verdaut, eigentlich bis heute nicht. Ich versuche es zu verdrängen, aber es verfolgt mich. Wie hier in
Schleiz. Falls jemand einen guten Tipp für einen Psychiater hat, nur her damit.

Ja, natürlich war das ein Type 4 und ja, er war seit heute morgen offiziell im Cup verboten (für
Qualifying und Rennen), weil es Lieferschwierigkeiten für eben jenen Type 4 gibt und wir ab sofort nur
noch den 3er fahren. Aber er war nur einen Turn gelaufen und quasi perfekt für das erste Zeittraining.
Für das Rennen war selbstverständlich ein Type 3 eingeplant, Ehrenwort. Aber wenn ich jetzt einen
neuen 3er drauf mache, wäre er fürs Rennen zu schlecht, sprich, ein ganzer Reifen würde sinnlos
verpuffen. Kennt ihr den alten Werbespot mit Ingolf Lück und der dicken Hella von Sinnen? Er will
möglichst unauffällig Kondome kaufen und die dusselige Hella brüllt durch den ganzen Laden, was die
Dinger kosten. So fühlte ich mich auch. Bevor ich innerlich platzte oder Selbstsuizid begehen musste,
sagte ich nur “Oh, dass war mir gar nicht aufgefallen, bitte einen neuen Type 3 montieren“. Man fühlt
sich dann gleich viel besser, ehrlich.

So begab es sich also, dass ich das erste Zeittraining an diesem kühlen Juni-Samstag mit mächtig
vorschriftsmäßigem Schuhwerk unter die Räder nahm. Wir waren mal wieder tief drin in Schleiz, in
dieser Naturrennstrecke, die dich lockt, die dich reizt und der du hemmungslos verfällst, wenn du sie
nur einmal probierst. Beim ersten Mal nimmst du nur sehr wenig von ihr, bist vorsichtig. Aber es tut
gut, verdammt gut. Dann willst du mehr, nur ein bisschen mehr. Dann musst du sie haben, immer und
immer wieder. Ich fühlte mich diesmal übelst stark, kannte ich doch die Ecken aus dem letzten Jahr,
den Buchhübel, die Dorfschikane, die Seng und die Wheeliekuppe. Und so als alter Hase nimmt man
die Kurven natürlich lässig und leicht, wird aber leider auch unvorsichtig und unkonzentriert. Das war
noch nie geschwindigkeitsfördernd. Meine Problemzonen hießen in diesem Fall nicht Bauch, Beine,
Po (davon hab ich seit jeher ausreichend), sondern Dorfschikane, die Spitzkehre Ende der Seng und
der Eingang auf Start/Ziel. Alle Problemzonen hatten gemeinsam, dass man aus recht langsamen
Ecken unbedingt eine gute Linie benötigte, um viel Schwung mitzunehmen bzw. für die folgende
Gerade schnell ans Gas gehen zu können. Diese Ecken, egal auf welcher Rennstrecke sie auch sein
mögen, bringen mich noch ins Grab. Ich bin einfach zu dämlich dazu.

Versuchen wir mal ein kleines Sollkonzept aufzustellen: Die nigelnagelneu geteerte Dorfschikane ist
noch am einfachsten. Nach dem Bergabstück staucht man die Triple möglichst spät auf der Bremse
zusammen und steppt dabei vier Gänge runter. Im zweiten Gang lenkt man möglichst spät ein und
holt bewusst für den Eingang in die Schikane nach links aus. Dann kommt das Entscheidende. Man
muss so umlegen, dass man am Scheitelpunkt der Rechtskurve kurz ganz eng an den rechten Curbs
ist und hier sofort nach Links umlegt. So kann man sehr früh ans Gas gehen und bei leicht
rutschendem Hinterrad sogar noch etwas ausgleichen, da der Ausgang extrem breit ist. Diese Linie ist
gut, allein, man muss sie auch treffen. Meine Quote lag bei vielleicht 30%. Noch schlechter sah es nur
in der Kehre nach der Seng und der Zielschikane aus.

Die Kehre kann man durch die erhöhte Strecke und die Kompression brutal schnell durcheilen, aber
man muss es sich auch trauen. Ich bin da das ganze Wochenende irgendwie durchgeeiert, aber gut
ist was anderes. Die Schikane vor Start/Ziel ist ähnlich der Dorfschikane. Brutal spät auf die Bremse,
möglichst rechts bleiben und dann sauber und früh umlegen auf Start/Ziel, um früh das Gas
aufzuziehen. Das erste Zeittraining war um, bevor sich meine etwas angestaubten Erkenntnisse
begannen neu sortieren, zu spät. Ich stand mit einer 40er Zeit zwar in der provisorischen ersten
Reihe, war mit der Gesamtsituation aber unzufrieden. Zum Glück waren die anderen ebenfalls noch
auf Liniensuche. Christoph Hellmich stand mit einer 38er auf Pole, dahinter tummelten sich Geh,
Ammermann, Mo Hoffmann und Chris Schmid innerhalb von 2/10tel Sekunden. Für Spannung sollte
also gesorgt sein. Wer in dieser Aufstellung übrigens den Spenner Fritz vermisst, hat Recht. Fritz ist
leider beim Fishtown Race gestürzt und lässt sich gerade von ein paar netten Krankenschwestern
aufpäppeln. Ebenfalls verletzungsbedingt fehlte Horst Ulrich Fuhrmann, der sich beim Training in
Assen nachhaltig zerstürzte. An dieser Stelle die besten Genesungswünsche vom ganzen T-Cup Feld.
Nun denn, kurz nach dem Qualifying kam zum schlechten Wetter auch noch Regen. Nicht nur, dass
es sich um das wahrscheinlich kälteste Juniwochenende seit Erfindung der christlichen Zeitrechnung
handeln musste, hatten wir nun auch noch Wind und typischen norddeutschen Nieselregen, obwohl
wir gar nicht in Norddeutschland weilten. Da ich seit jeher ein guter und mitfühlender Mensch bin,
hatte ich die Regenreifen sicher und warm im heimischen Keller liegen gelassen, nicht, dass die sich
bei diesem Scheißwetter noch erkälteten. Die Diskussion über das passende Schuhwerk war im
Fahrerlager voll entbrannt. Es war feucht, aber bis zum zweiten Zeitenfahren und erst recht bis zum
ersten Rennen waren noch einige Stunden Zeit. Perfekte Bedingungen für Underdogs, die bei einer
glücklichen Reifenwahl das Establishment mal richtig aufmischen könnten. So als Jäger des
Führenden neigt man allerdings eher dazu, den sicheren Weg zu gehen. Ist zwar uncool, aber mit
Blick auf die Punkte in der Meisterschaft kann ein zu mutiger Reifenpoker schnell nach hinten
losgehen. Also wurde ich wieder bei dem Reifenmann mit dem irren Blick vorstellig und ließ
typgerechte Regenreifen aufziehen. Beim Einbau der Felgen fiel mir vor Lachen fast die Ratsche aus
der Hand. Von einer angeregt diskutierenden Gruppe wehten ein paar Satzfetzen zu mir herüber. Der
Schrauber von Mo räumte dabei ein für alle Mal mit der von alten Racingbären immer wieder ominös
ins Gespräch gebrachten Geheimwaffe „selbstgeschnittene Slicks“ auf. Leider bin ich des
Berlinerischen weder in Wort noch in Schrift fähig, daher stellt euch die folgende frei wiedergegebene
Erklärung bitte einfach im besten Hauptstadtdeutsch vor: „Da entwickeln ganze Herrschaaren von
Konstrukteuren mit viel Geld und aufwendigen Tests Slicks und Regenreifen, verwerfen, verändern
und wenden die neuesten Erkenntnisse an, um bestes Material auf den Markt zu bringen. Und dann
kommt Fritze Kling daher und schneidet mit seinem Hobbylötkolben wahllos Rillen in seinen Slick und
meint auch noch, damit das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Ja nee, is klar.“

Eine halbe Stunde vorm zweiten Zeittraining beendete erneut einsetzender Nieselregen jegliche
Diskussion. Ich überlegte kurz, ob ich die Regenreifen fürs Rennen schonen sollte, das war natürlich
Blödsinn. Völlig ohne Übung ein Regenrennen zu fahren ist dann doch eine eher dumme Idee.
Regen in Schleiz ist ne ziemlich bewusstseinserweiternde Sache. Die Links nach Start/Ziel und der
Buchhübel sind nicht vertrauenserweckend, von der Seng will ich gar nicht reden. Aber den Vogel
abgeschossen hat ein Bitumenstreifen auf dem Bergabstück zur Dorfschikane. Direkt vor der
schnellen Rechts, die in die finale Links vor der Schikane mündet, verläuft längs zur Strecke ein
Bitumenstreifen, der rutschiger als Uschis Flutschgel ist. Wer das Ding nicht kennt, wird beim ersten
Überfahren mal so richtig mit Adrenalin vollgepumpt. Nach diversen Aha-Erlebnissen hab ich an der
Stelle das Gas komplett zugemacht. Erst lange nach dem Turn kam mir der famose Gedanke, dass
Ding einfach zu umfahren. Ich weiß, manchmal ist mein Gehirn etwas langsam, aber ich bin ja auch
keine 20 mehr.

Zum Abend hin, das erste Rennen rückte immer näher, änderte sich nix an der Großwetterfront. Der
norddeutsche Monsun hatte uns in Form von Nieselregen weiterhin fest im Griff. Wetrace! Ich
kontrollierte mein Pinlock auf korrekten Sitz, zog meine nicht vorhandene Regenkombi an und
kontrollierte den Luftdruck. Vorne 2,2, hinten 2,1 für die Regenpneus. Alles bereit. In der
Startaufstellung mussten wir den hässlichen Michael Dangries von Bike Promotion als
Fahnenschwenker ertragen, aber das war bei dem Wetter auch egal. In der Aufwärmrunde ließen es
Hellmich und Geh schon richtig krachen, mir schwante nix gutes fürs Rennen. So war es dann auch.
Christoph flog beim Start im „Kill them all“ Modus vorweg und ich verlor zudem das Startduell gegen
Peter Geh. In der ersten Runde hätte ich ihn dreimal fast von hinten über den Haufen gefahren, aber
nach der ersten Runde muss irgendeine Sicherung bei dem Bayernexpress durchgebrannt sein. Ich
konnte noch eine Runde dran bleiben, bevor der Kontakt endgültig abriss. So rutschte ich zunächst
ziemlich allein um den Kurs. Ende Start/Ziel tauchte plötzlich links ein Vorderrad auf, dass ich mit
Lösen meiner Bremse wieder verschwinden lassen konnte. Toll. Vielleicht sollte ich es mal als
Zauberer versuchen. Ich sehe das schon vor mir: „Kommen sie, staunen sie, nur heute Abend, der
große Hadini, der ganze Vorderräder verschwinden lassen kann“. Leider war es nicht so weit her mit
den Künsten, zwei Runden später verschaltete ich mich beim Rausbeschleinigen auf Start/Ziel
mächtig und verlor jeglichen Schwung. Ohne hellseherische Fähigkeiten war klar, dass ich gleich nicht
nur ein Vorderrad verschwinden lassen müsste, sondern ein ganzes Mopped. Mo Hoffmann stach
vorbei und blieb auch in der Links zum Buchhübel vorn. Diese Ecke hab ich im Regen nicht ein
einziges Mal gut getroffen. Ein denkwürdiger Rutscher nach Überfahren der inneren Randmarkierung
gab mir den Rest, ich traute mich hier einfach nicht reinzuhalten. Zu meiner großen Missgunst musste
ich zusehen, wie sich Mo immer mehr entfernte. Immerhin schaffte ich es, ihn in Sichtweite zu halten.
Aber egal was ich auch tat, zufahren der Lücke war nicht möglich. Als ich es in der Seng mit Gewalt
versuchte, rutschte die Streety beim Umlegen in der ganz schnellen Rechts über beide Räder. Mir
rutschte das Herz in die Hose und die Eier fielen unten raus. Synchronwasserballet soll ja auch ne
schöne Sportart sein, sagt man.

So langsam musste was passieren, ich war genervt. Obwohl wir schon eine Weile unterwegs waren,
hielt auf der Zielgeraden noch niemand eine Anzeige raus, also noch mindestens zwei Runden. Ich
sammelte allen Mut und ließ die Triple etwas schneller in die Links laufen. Durch Überrundete, die ich
besser vollstreckte als Mo kam ich tatsächlich einen Hauch näher ran. Es gibt Momente, in denen man
einfach mal was riskieren muss, ich tat es. Außerdem kotzte mich dieses Rumgeeiere auf Platz 4
sowieso an. Was ist das überhaupt für ein Platz? Erbärmlich. Unabhängig von irgendwelchen Indizien
oder gar Beweisen beschloss ich der Einfachheit halber, dass die Strecke etwas abgetrocknet sei. So
bestärkt blies ich erneut am Starthäuschen vorbei ohne irgendwelche Schilder zu sehen. Mo war
gefühlte 50m voraus. Über den Buchhübel hatte ich mehr Rutscher als im ganzen Rennen zuvor und
am Fuße der Dorfschikane bremste ich wie im Trockenen. Dieses sehr vernünftige Manöver brachte
mich direkt hinter Mo, der gerade mit einem Überrundeten kämpfte. Am Ausgang der Dorfschikane
klebte ich an seinem Heck und versuchte, möglichst nah dran zu bleiben. Ich wusste, dass ich ihn nur
auf der Bremse vor der Spitzkehre kriegen konnte. Jetzt oder nie. In weiter Ferne tauchte ein zu
Überrundender auf. Mo zog nach innen, also ging ich nach außen. Der arme Kerl wusste
wahrscheinlich nicht so recht, wie ihm geschah, als wir an ihm synchron vorbei flogen. Auf der Bremse
war ich innen und machte mich in der Schikane ganz breit. Auf der folgenden Gerade kroch ich in
meinen Tank und betete, dass mich dieses Fliegengewicht nicht wieder ausbeschleunigte. Ich
bremste extra spät und fuhr die Schikane ganz eng. Jemand schwenkte die karierte Flagge. Es war
die letzte Runde. Geiles Ding. Ich war mit mir und der Welt im Allgemeinen sehr zufrieden. Christoph
Hellmich siegte mit unglaublichen 16 Sekunden Vorsprung gefolgt von Peter Geh und wiederum weit
dahinter dem Pärchen Mo/Ammermann. Dahinter folgten Robert Hielscher, John Riedemann, Thomas
Teifelhard, Max Bittmann und Pierre Kain.

Mo machte einen etwas geknickten Eindruck. Verständlich. Aber er wird noch genug Gelegenheiten
haben, es uns alten Säcken zu zeigen, diesmal hab ich mich eben noch mal vorgedrängelt, warum
auch nicht ☺

Das Fahrerische war damit an diesem Tag erledigt. Ich freute mich über meine Heizung im Wohni. Es
war schweinekalt. Wahrscheinlich würde ich morgen mit 40 Grad Fieber aufwachen. Um dem
vorzubeugen, trank ich ein paar Gesundheitsbierchen und schaute auch bei Peter Geh vorbei.
Natürlich nur um ihm mitzuteilen, dass ich ihn morgen im Trockenen eintüten würde. Er versuchte
mich mit alkoholhaltigen Kaltgetränken aus dem Konzept zu bringen, was ihm natürlich nicht gelang.
Der nächste Morgen brachte gleich bleibende Kälte, aber Trockenheit. Wir hatten schon um 8:45 Uhr
unser Warm Up, zu dem ich mich extremst aus den Federn quälen musste. Es tat trotzdem gut, sich
ein paar Runden einzurollen. Schön, dass der Wunsch vieler Fahrer nach einem Warm Up dieses
Jahr von Frank erhört wurde. Das Rennen war kurz vor 11 Uhr angesetzt. Ich vertrieb mir die Zeit mit
Dösen und mentalem Abfahren der Strecke, mir war immer noch kalt. Ältere Menschen sollen ja leicht
frieren. Heute würde auch unser Gaststarter Chris Schmid mitspielen, der bei Regen auf einen Start
mit der Gastmaschine verzichtet hatte. Die Gefahr, das Ding im Regen sinnlos wegzuwerfen war
einfach zu groß. Um 10 Uhr schmiss ich die Reifenwärmer an und bereite das Kamerasystem vor.
Zurück im Wohni wartete ich auf den Stadionsprecher, der mit seinem nicht vorhandenen sächsischen
Charme das Fahrerlager den Tag über unterhielt und jeweils die Gruppen aufrief. Dies tat er mit drei
Aufrufen. Wenn er ganz wild wurde, rief er danach auch schon mal einzelne Nummern extra auf. Zum
Beispiel „Allerletzter Aufruf für Gruppe B, es fehlt immer noch Startnummer 71, SOFORT zum
Vorstart!“ Ich fragte mich, ob er tatsächlich alle Nummern aller Gruppen im Überblick hatte. Ich werde
das beim nächsten Mal etwas genauer untersuchen müssen.

Wie dem auch sei, endlich rief er den T-Cup auf. Ich schälte mich in meine Kombi und ging in Ruhe
zum Klo. Als ich wieder runter kam, hörte ich ihn sagen „letzter Aufruf für den T-Cup, letzter Aufruf
zum Rennen“. Wo zur Hölle war der zweite Aufruf geblieben??? Ich düste entspannt zu meiner Triple,
riss die Reifenwärmer runter und sinnierte 4,5 Sekunden, ob ich das Kamerasystem noch aktivieren
sollte. Ich entschied mich dagegen. Leider. Zeitmäßig war es die richtige Entscheidung, ich rollte direkt
durch die Boxenanlage auf die Strecke und hätte keine Sekunde später da sein dürfen, aber
dramaturgisch war es einfach Scheiße. Das folgende Rennen hatte einige sehenswerte Höhepunkte,
die nun niemals auf digitalem Zelluloid zu sehen sein werden.

In der Startaufstellung versuchte ich, den Anblick von Michael Dangrieß besser zu ertragen, es gelang
mir aber nicht. Der Startampel sprang endlich auf Rot. Sie zeigte Rot. Immer noch Rot. Hellmich und
Geh zuckten. Sie zeigte immer noch rot. Man kann das mit der Spannung auch übertreiben. Ist wie bei
DSDS, da fangen die um 20:15 Uhr auch schon an zu sagen: „Der Sieger ist…“ um dann noch
ungefähr 45 Werbeblöcke und weinende Mütter zwischenzuschalten und letztlich erst um 0:34 Uhr zu
sagen, es ist Daniel „Ich hab die Haare schön“ Schumacher oder wie der hieß. Naja, jedenfalls
erbarmte sich dann auch bei uns endlich jemand und machte die Funzel aus. Ich kam ganz gut weg
und presste mich vor Peter auf Platz Zwei. Ich bemühte mich, an Christoph dranzubleiben, aber der
Typ ist einfach irre. Langsam, ganz langsam entfleuchte er mir. Immerhin tauchten keine anderen
Vorderräder oder ähnliches auf. Nach Drei Runden wagte ich es eingangs der Seng, mich
umzudrehen. Ich blickte in eine riesige gelockte Visage, sie gehörte Peter Geh. Meine imaginäre
Boxencrew hätte den Abstand mit 0 oder wahrscheinlich -0,5 angezeigt, so nah war er dran. In seinem
Schlepptau sah ich zu allem Überfluss auch noch Chris. Tja, das kann ja noch was werden. Vor der
Zielschikane presste sich Peter innen rein. Es fehlte ein Hauch, um direkt zu kontern. Ich holte in der
Schikane extra weit aus und prompt stach Chris innen rein. Wie kann man sich nur in einer Schikane
von zwei Leuten überholen lassen? Naja, immerhin hauten die beiden mir nicht ab und wir flogen nun
in leicht geänderter Formation um den Kurs. Doch schon eine halbe Runde später hob Chris plötzlich
die Hand. Ich brauchte einen Moment, um die roten Fahnen zu erkennen, Rennabbruch.

In der Seng hatte Volker Tack seine Streety nachhaltig geerdet, zu meiner großen Erleichterung stand
der kleine Mann aber optisch unversehrt im Grün und wartete auf Hilfe. In der Boxengasse war
zunächst nicht klar, ob es einen Restart geben würde. Micha D. kam zu mir und gratulierte mir zum
Sieg. Falls er glaubte, damit seine Hässlichkeit auszugleichen, hatte er sich aber geschnitten. Ich war
verwirrt, da ich eigentlich nur Vierter war. Okay, Chris war Gaststarter, aber was war mit Christoph und
Peter? Es stellte sich heraus, dass beiden wegen der nervösen Startphase jeweils ein Frühstart mit
20sek Zeitstrafe aufgedrückt wurde. Eine durchaus harte Entscheidung, aber gleich drei Offizielle
bekräftigten den Frühstart. Ich mag mir kein Urteil erlauben, fühlte mich jedenfalls nicht so richtig wohl
in meiner Haut als Sieger am grünen Tisch. Als eigentlich alle schon zurück ins Fahrerlager fahren
wollten, kam die Entscheidung zum Restart, drei Runden mit vollem Vorstartprozedere. Eine wahre
Achterbahnfahrt der Anspannung und Konzentration. Beide Läufe würden am Ende zusammengezählt
und die Zeitstrafen jeweils berücksichtigt.

Wieder am Start hatte ich nur noch zuckende Vorderräder im Kopf und wollte unbedingt einen
Frühstart meinerseits verhindern. Ergebnis war der schlechteste Start seit es motorbetriebene
Zweiräder gibt. Ich war auf Position 7 oder 8 gelandet. Auf dem Buchhübel presste sich noch jemand
durch. Mir platzte der Kragen. Wenn ich so weiter machte, würde Christoph trotz 20sek Strafe
gewinnen. Ich vergaß kurzfristig meine guten Manieren und überholte auch an Stellen, wo es
eigentlich nicht ging. Nach anderthalb Runden trennte mich nur noch Robert Hielscher vom Pärchen
Geh/Schmid. Ich überholte ihn Ende der Seng auf der Bremse außen. Ich fand mein Manöver schon
recht grenzwertig. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Max Bittmann hatte sich einfach an mich
drangehängt und stach hinter mir auch noch am Robby vorbei. Laut überlieferten Zeugenaussagen
wohl das engste Manöver ever. Für solche Fälle empfiehlt sich eine Heckkamera. Ich werde das in
Oschersleben mal probieren.

Nun denn, ich beendete das Rennen mit einigem Abstand auf Platz 4. Christoph Hellmich brannte
eine unglaubliche 36,0 in das Vogtland und wurde durch die Zeitstrafe doch nur Zweiter (vor Peter
Geh , bereinigt um den Gaststarter Chris, der das Rennen vor mir gewann). Das spiegelt nicht den
Rennverlauf wieder, aber diesmal bleib vor Meister Hellmich nur der Sieg der Herzen. Trotzdem ist der
letztjährige Sieger des T-Cups auch dieses Jahr der größte Favorit für den Gesamtsieg. Mal sehen,
was in Oschersleben geht und ob Fritz auch wieder mitspielen kann.

Wir sehen uns in der Magdeburger Börde, 45











































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>>> immer auf der Suche nach 'ner guten Zeit...

benoutofdark

NewBoarder

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Beiträge: 26



24.06.2009 14:11
RE: Hajo's zweiter Rennbericht der Saison '09 Zitat · Antworten

Genial!


Hanni

FreshBoarder

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Beiträge: 113


25.06.2009 09:10
RE: Hajo's zweiter Rennbericht der Saison '09 Zitat · Antworten

sehr Genial
wie immer..........

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