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Mr. Fabulous himself, geniesst es einfach... Gruß Mike
T-Cup 2009, Lauf 3 und 4, 06.-07.Juni 2009 Problemzonen, ein Tatsachenbericht aus Schleiz
„Das ist aber ein Type 4“. Ich kannte diesen Blick. Diese hochgezogenen Augenbrauen, diesen unausgesprochenen Vorwurf des Verbotenen, verpackt in einen unscheinbaren, nichtssagenden Satz. In den Augen des langhaarigen Bridgestonemanns sah ich ihn, sah ich mal wieder Sabines Vater. Ich zuckte innerlich zusammen. Meine Knie wurden weich. Wohl nie würde ich diesen Blick vergessen. Sabines Vater riss seinerzeit die Tür auf und Sekunden später hörte ich schemenhaft die Worte „Ihr seid Vierzehn!“. Das wusste ich, das wusste er, das wussten wir alle. Er hätte auch „Die Welt ist rund“ oder „Der Himmel ist blau“ sagen können. Es sind diese Killersätze, die keine Diskussion erlauben, dich verzweifelt nach einem Ausweg suchen lassen. Sabine und ich erkundeten nach monatelangen Knutschereien zum ersten Mal anatomische Bereiche, die nie ein 14jähriger zuvor gesehen hat. Und nie, wirklich nie kam der Erziehungsberechtigte während der Knutschereien einfach so ins Zimmer. Bis zu jenem verhängnisvollem Tag. Wir waren weit davon entfernt, „was unvernünftiges“ zu tun, aber erklärt das mal einem Vater, dessen Beschützerinstinkt bei seiner einzigen Tochter geweckt ist. Sinnlos. Irgendwie schaffte ich es, mit hochgezogener schwarzer Adidas-Hose den Ort des Geschehens lebend zu verlassen. Es folgten lange Briefe und Ausreden von Sabine. IHN sah ich nie wieder. Ich spielte toter Mann und blieb am Leben aber verlor meine erste Freundin. Ich hab das nie verdaut, eigentlich bis heute nicht. Ich versuche es zu verdrängen, aber es verfolgt mich. Wie hier in Schleiz. Falls jemand einen guten Tipp für einen Psychiater hat, nur her damit.
Ja, natürlich war das ein Type 4 und ja, er war seit heute morgen offiziell im Cup verboten (für Qualifying und Rennen), weil es Lieferschwierigkeiten für eben jenen Type 4 gibt und wir ab sofort nur noch den 3er fahren. Aber er war nur einen Turn gelaufen und quasi perfekt für das erste Zeittraining. Für das Rennen war selbstverständlich ein Type 3 eingeplant, Ehrenwort. Aber wenn ich jetzt einen neuen 3er drauf mache, wäre er fürs Rennen zu schlecht, sprich, ein ganzer Reifen würde sinnlos verpuffen. Kennt ihr den alten Werbespot mit Ingolf Lück und der dicken Hella von Sinnen? Er will möglichst unauffällig Kondome kaufen und die dusselige Hella brüllt durch den ganzen Laden, was die Dinger kosten. So fühlte ich mich auch. Bevor ich innerlich platzte oder Selbstsuizid begehen musste, sagte ich nur “Oh, dass war mir gar nicht aufgefallen, bitte einen neuen Type 3 montieren“. Man fühlt sich dann gleich viel besser, ehrlich.
So begab es sich also, dass ich das erste Zeittraining an diesem kühlen Juni-Samstag mit mächtig vorschriftsmäßigem Schuhwerk unter die Räder nahm. Wir waren mal wieder tief drin in Schleiz, in dieser Naturrennstrecke, die dich lockt, die dich reizt und der du hemmungslos verfällst, wenn du sie nur einmal probierst. Beim ersten Mal nimmst du nur sehr wenig von ihr, bist vorsichtig. Aber es tut gut, verdammt gut. Dann willst du mehr, nur ein bisschen mehr. Dann musst du sie haben, immer und immer wieder. Ich fühlte mich diesmal übelst stark, kannte ich doch die Ecken aus dem letzten Jahr, den Buchhübel, die Dorfschikane, die Seng und die Wheeliekuppe. Und so als alter Hase nimmt man die Kurven natürlich lässig und leicht, wird aber leider auch unvorsichtig und unkonzentriert. Das war noch nie geschwindigkeitsfördernd. Meine Problemzonen hießen in diesem Fall nicht Bauch, Beine, Po (davon hab ich seit jeher ausreichend), sondern Dorfschikane, die Spitzkehre Ende der Seng und der Eingang auf Start/Ziel. Alle Problemzonen hatten gemeinsam, dass man aus recht langsamen Ecken unbedingt eine gute Linie benötigte, um viel Schwung mitzunehmen bzw. für die folgende Gerade schnell ans Gas gehen zu können. Diese Ecken, egal auf welcher Rennstrecke sie auch sein mögen, bringen mich noch ins Grab. Ich bin einfach zu dämlich dazu.
Versuchen wir mal ein kleines Sollkonzept aufzustellen: Die nigelnagelneu geteerte Dorfschikane ist noch am einfachsten. Nach dem Bergabstück staucht man die Triple möglichst spät auf der Bremse zusammen und steppt dabei vier Gänge runter. Im zweiten Gang lenkt man möglichst spät ein und holt bewusst für den Eingang in die Schikane nach links aus. Dann kommt das Entscheidende. Man muss so umlegen, dass man am Scheitelpunkt der Rechtskurve kurz ganz eng an den rechten Curbs ist und hier sofort nach Links umlegt. So kann man sehr früh ans Gas gehen und bei leicht rutschendem Hinterrad sogar noch etwas ausgleichen, da der Ausgang extrem breit ist. Diese Linie ist gut, allein, man muss sie auch treffen. Meine Quote lag bei vielleicht 30%. Noch schlechter sah es nur in der Kehre nach der Seng und der Zielschikane aus.
Die Kehre kann man durch die erhöhte Strecke und die Kompression brutal schnell durcheilen, aber man muss es sich auch trauen. Ich bin da das ganze Wochenende irgendwie durchgeeiert, aber gut ist was anderes. Die Schikane vor Start/Ziel ist ähnlich der Dorfschikane. Brutal spät auf die Bremse, möglichst rechts bleiben und dann sauber und früh umlegen auf Start/Ziel, um früh das Gas aufzuziehen. Das erste Zeittraining war um, bevor sich meine etwas angestaubten Erkenntnisse begannen neu sortieren, zu spät. Ich stand mit einer 40er Zeit zwar in der provisorischen ersten Reihe, war mit der Gesamtsituation aber unzufrieden. Zum Glück waren die anderen ebenfalls noch auf Liniensuche. Christoph Hellmich stand mit einer 38er auf Pole, dahinter tummelten sich Geh, Ammermann, Mo Hoffmann und Chris Schmid innerhalb von 2/10tel Sekunden. Für Spannung sollte also gesorgt sein. Wer in dieser Aufstellung übrigens den Spenner Fritz vermisst, hat Recht. Fritz ist leider beim Fishtown Race gestürzt und lässt sich gerade von ein paar netten Krankenschwestern aufpäppeln. Ebenfalls verletzungsbedingt fehlte Horst Ulrich Fuhrmann, der sich beim Training in Assen nachhaltig zerstürzte. An dieser Stelle die besten Genesungswünsche vom ganzen T-Cup Feld. Nun denn, kurz nach dem Qualifying kam zum schlechten Wetter auch noch Regen. Nicht nur, dass es sich um das wahrscheinlich kälteste Juniwochenende seit Erfindung der christlichen Zeitrechnung handeln musste, hatten wir nun auch noch Wind und typischen norddeutschen Nieselregen, obwohl wir gar nicht in Norddeutschland weilten. Da ich seit jeher ein guter und mitfühlender Mensch bin, hatte ich die Regenreifen sicher und warm im heimischen Keller liegen gelassen, nicht, dass die sich bei diesem Scheißwetter noch erkälteten. Die Diskussion über das passende Schuhwerk war im Fahrerlager voll entbrannt. Es war feucht, aber bis zum zweiten Zeitenfahren und erst recht bis zum ersten Rennen waren noch einige Stunden Zeit. Perfekte Bedingungen für Underdogs, die bei einer glücklichen Reifenwahl das Establishment mal richtig aufmischen könnten. So als Jäger des Führenden neigt man allerdings eher dazu, den sicheren Weg zu gehen. Ist zwar uncool, aber mit Blick auf die Punkte in der Meisterschaft kann ein zu mutiger Reifenpoker schnell nach hinten losgehen. Also wurde ich wieder bei dem Reifenmann mit dem irren Blick vorstellig und ließ typgerechte Regenreifen aufziehen. Beim Einbau der Felgen fiel mir vor Lachen fast die Ratsche aus der Hand. Von einer angeregt diskutierenden Gruppe wehten ein paar Satzfetzen zu mir herüber. Der Schrauber von Mo räumte dabei ein für alle Mal mit der von alten Racingbären immer wieder ominös ins Gespräch gebrachten Geheimwaffe „selbstgeschnittene Slicks“ auf. Leider bin ich des Berlinerischen weder in Wort noch in Schrift fähig, daher stellt euch die folgende frei wiedergegebene Erklärung bitte einfach im besten Hauptstadtdeutsch vor: „Da entwickeln ganze Herrschaaren von Konstrukteuren mit viel Geld und aufwendigen Tests Slicks und Regenreifen, verwerfen, verändern und wenden die neuesten Erkenntnisse an, um bestes Material auf den Markt zu bringen. Und dann kommt Fritze Kling daher und schneidet mit seinem Hobbylötkolben wahllos Rillen in seinen Slick und meint auch noch, damit das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Ja nee, is klar.“
Eine halbe Stunde vorm zweiten Zeittraining beendete erneut einsetzender Nieselregen jegliche Diskussion. Ich überlegte kurz, ob ich die Regenreifen fürs Rennen schonen sollte, das war natürlich Blödsinn. Völlig ohne Übung ein Regenrennen zu fahren ist dann doch eine eher dumme Idee. Regen in Schleiz ist ne ziemlich bewusstseinserweiternde Sache. Die Links nach Start/Ziel und der Buchhübel sind nicht vertrauenserweckend, von der Seng will ich gar nicht reden. Aber den Vogel abgeschossen hat ein Bitumenstreifen auf dem Bergabstück zur Dorfschikane. Direkt vor der schnellen Rechts, die in die finale Links vor der Schikane mündet, verläuft längs zur Strecke ein Bitumenstreifen, der rutschiger als Uschis Flutschgel ist. Wer das Ding nicht kennt, wird beim ersten Überfahren mal so richtig mit Adrenalin vollgepumpt. Nach diversen Aha-Erlebnissen hab ich an der Stelle das Gas komplett zugemacht. Erst lange nach dem Turn kam mir der famose Gedanke, dass Ding einfach zu umfahren. Ich weiß, manchmal ist mein Gehirn etwas langsam, aber ich bin ja auch keine 20 mehr.
Zum Abend hin, das erste Rennen rückte immer näher, änderte sich nix an der Großwetterfront. Der norddeutsche Monsun hatte uns in Form von Nieselregen weiterhin fest im Griff. Wetrace! Ich kontrollierte mein Pinlock auf korrekten Sitz, zog meine nicht vorhandene Regenkombi an und kontrollierte den Luftdruck. Vorne 2,2, hinten 2,1 für die Regenpneus. Alles bereit. In der Startaufstellung mussten wir den hässlichen Michael Dangries von Bike Promotion als Fahnenschwenker ertragen, aber das war bei dem Wetter auch egal. In der Aufwärmrunde ließen es Hellmich und Geh schon richtig krachen, mir schwante nix gutes fürs Rennen. So war es dann auch. Christoph flog beim Start im „Kill them all“ Modus vorweg und ich verlor zudem das Startduell gegen Peter Geh. In der ersten Runde hätte ich ihn dreimal fast von hinten über den Haufen gefahren, aber nach der ersten Runde muss irgendeine Sicherung bei dem Bayernexpress durchgebrannt sein. Ich konnte noch eine Runde dran bleiben, bevor der Kontakt endgültig abriss. So rutschte ich zunächst ziemlich allein um den Kurs. Ende Start/Ziel tauchte plötzlich links ein Vorderrad auf, dass ich mit Lösen meiner Bremse wieder verschwinden lassen konnte. Toll. Vielleicht sollte ich es mal als Zauberer versuchen. Ich sehe das schon vor mir: „Kommen sie, staunen sie, nur heute Abend, der große Hadini, der ganze Vorderräder verschwinden lassen kann“. Leider war es nicht so weit her mit den Künsten, zwei Runden später verschaltete ich mich beim Rausbeschleinigen auf Start/Ziel mächtig und verlor jeglichen Schwung. Ohne hellseherische Fähigkeiten war klar, dass ich gleich nicht nur ein Vorderrad verschwinden lassen müsste, sondern ein ganzes Mopped. Mo Hoffmann stach vorbei und blieb auch in der Links zum Buchhübel vorn. Diese Ecke hab ich im Regen nicht ein einziges Mal gut getroffen. Ein denkwürdiger Rutscher nach Überfahren der inneren Randmarkierung gab mir den Rest, ich traute mich hier einfach nicht reinzuhalten. Zu meiner großen Missgunst musste ich zusehen, wie sich Mo immer mehr entfernte. Immerhin schaffte ich es, ihn in Sichtweite zu halten. Aber egal was ich auch tat, zufahren der Lücke war nicht möglich. Als ich es in der Seng mit Gewalt versuchte, rutschte die Streety beim Umlegen in der ganz schnellen Rechts über beide Räder. Mir rutschte das Herz in die Hose und die Eier fielen unten raus. Synchronwasserballet soll ja auch ne schöne Sportart sein, sagt man.
So langsam musste was passieren, ich war genervt. Obwohl wir schon eine Weile unterwegs waren, hielt auf der Zielgeraden noch niemand eine Anzeige raus, also noch mindestens zwei Runden. Ich sammelte allen Mut und ließ die Triple etwas schneller in die Links laufen. Durch Überrundete, die ich besser vollstreckte als Mo kam ich tatsächlich einen Hauch näher ran. Es gibt Momente, in denen man einfach mal was riskieren muss, ich tat es. Außerdem kotzte mich dieses Rumgeeiere auf Platz 4 sowieso an. Was ist das überhaupt für ein Platz? Erbärmlich. Unabhängig von irgendwelchen Indizien oder gar Beweisen beschloss ich der Einfachheit halber, dass die Strecke etwas abgetrocknet sei. So bestärkt blies ich erneut am Starthäuschen vorbei ohne irgendwelche Schilder zu sehen. Mo war gefühlte 50m voraus. Über den Buchhübel hatte ich mehr Rutscher als im ganzen Rennen zuvor und am Fuße der Dorfschikane bremste ich wie im Trockenen. Dieses sehr vernünftige Manöver brachte mich direkt hinter Mo, der gerade mit einem Überrundeten kämpfte. Am Ausgang der Dorfschikane klebte ich an seinem Heck und versuchte, möglichst nah dran zu bleiben. Ich wusste, dass ich ihn nur auf der Bremse vor der Spitzkehre kriegen konnte. Jetzt oder nie. In weiter Ferne tauchte ein zu Überrundender auf. Mo zog nach innen, also ging ich nach außen. Der arme Kerl wusste wahrscheinlich nicht so recht, wie ihm geschah, als wir an ihm synchron vorbei flogen. Auf der Bremse war ich innen und machte mich in der Schikane ganz breit. Auf der folgenden Gerade kroch ich in meinen Tank und betete, dass mich dieses Fliegengewicht nicht wieder ausbeschleunigte. Ich bremste extra spät und fuhr die Schikane ganz eng. Jemand schwenkte die karierte Flagge. Es war die letzte Runde. Geiles Ding. Ich war mit mir und der Welt im Allgemeinen sehr zufrieden. Christoph Hellmich siegte mit unglaublichen 16 Sekunden Vorsprung gefolgt von Peter Geh und wiederum weit dahinter dem Pärchen Mo/Ammermann. Dahinter folgten Robert Hielscher, John Riedemann, Thomas Teifelhard, Max Bittmann und Pierre Kain.
Mo machte einen etwas geknickten Eindruck. Verständlich. Aber er wird noch genug Gelegenheiten haben, es uns alten Säcken zu zeigen, diesmal hab ich mich eben noch mal vorgedrängelt, warum auch nicht ☺
Das Fahrerische war damit an diesem Tag erledigt. Ich freute mich über meine Heizung im Wohni. Es war schweinekalt. Wahrscheinlich würde ich morgen mit 40 Grad Fieber aufwachen. Um dem vorzubeugen, trank ich ein paar Gesundheitsbierchen und schaute auch bei Peter Geh vorbei. Natürlich nur um ihm mitzuteilen, dass ich ihn morgen im Trockenen eintüten würde. Er versuchte mich mit alkoholhaltigen Kaltgetränken aus dem Konzept zu bringen, was ihm natürlich nicht gelang. Der nächste Morgen brachte gleich bleibende Kälte, aber Trockenheit. Wir hatten schon um 8:45 Uhr unser Warm Up, zu dem ich mich extremst aus den Federn quälen musste. Es tat trotzdem gut, sich ein paar Runden einzurollen. Schön, dass der Wunsch vieler Fahrer nach einem Warm Up dieses Jahr von Frank erhört wurde. Das Rennen war kurz vor 11 Uhr angesetzt. Ich vertrieb mir die Zeit mit Dösen und mentalem Abfahren der Strecke, mir war immer noch kalt. Ältere Menschen sollen ja leicht frieren. Heute würde auch unser Gaststarter Chris Schmid mitspielen, der bei Regen auf einen Start mit der Gastmaschine verzichtet hatte. Die Gefahr, das Ding im Regen sinnlos wegzuwerfen war einfach zu groß. Um 10 Uhr schmiss ich die Reifenwärmer an und bereite das Kamerasystem vor. Zurück im Wohni wartete ich auf den Stadionsprecher, der mit seinem nicht vorhandenen sächsischen Charme das Fahrerlager den Tag über unterhielt und jeweils die Gruppen aufrief. Dies tat er mit drei Aufrufen. Wenn er ganz wild wurde, rief er danach auch schon mal einzelne Nummern extra auf. Zum Beispiel „Allerletzter Aufruf für Gruppe B, es fehlt immer noch Startnummer 71, SOFORT zum Vorstart!“ Ich fragte mich, ob er tatsächlich alle Nummern aller Gruppen im Überblick hatte. Ich werde das beim nächsten Mal etwas genauer untersuchen müssen.
Wie dem auch sei, endlich rief er den T-Cup auf. Ich schälte mich in meine Kombi und ging in Ruhe zum Klo. Als ich wieder runter kam, hörte ich ihn sagen „letzter Aufruf für den T-Cup, letzter Aufruf zum Rennen“. Wo zur Hölle war der zweite Aufruf geblieben??? Ich düste entspannt zu meiner Triple, riss die Reifenwärmer runter und sinnierte 4,5 Sekunden, ob ich das Kamerasystem noch aktivieren sollte. Ich entschied mich dagegen. Leider. Zeitmäßig war es die richtige Entscheidung, ich rollte direkt durch die Boxenanlage auf die Strecke und hätte keine Sekunde später da sein dürfen, aber dramaturgisch war es einfach Scheiße. Das folgende Rennen hatte einige sehenswerte Höhepunkte, die nun niemals auf digitalem Zelluloid zu sehen sein werden.
In der Startaufstellung versuchte ich, den Anblick von Michael Dangrieß besser zu ertragen, es gelang mir aber nicht. Der Startampel sprang endlich auf Rot. Sie zeigte Rot. Immer noch Rot. Hellmich und Geh zuckten. Sie zeigte immer noch rot. Man kann das mit der Spannung auch übertreiben. Ist wie bei DSDS, da fangen die um 20:15 Uhr auch schon an zu sagen: „Der Sieger ist…“ um dann noch ungefähr 45 Werbeblöcke und weinende Mütter zwischenzuschalten und letztlich erst um 0:34 Uhr zu sagen, es ist Daniel „Ich hab die Haare schön“ Schumacher oder wie der hieß. Naja, jedenfalls erbarmte sich dann auch bei uns endlich jemand und machte die Funzel aus. Ich kam ganz gut weg und presste mich vor Peter auf Platz Zwei. Ich bemühte mich, an Christoph dranzubleiben, aber der Typ ist einfach irre. Langsam, ganz langsam entfleuchte er mir. Immerhin tauchten keine anderen Vorderräder oder ähnliches auf. Nach Drei Runden wagte ich es eingangs der Seng, mich umzudrehen. Ich blickte in eine riesige gelockte Visage, sie gehörte Peter Geh. Meine imaginäre Boxencrew hätte den Abstand mit 0 oder wahrscheinlich -0,5 angezeigt, so nah war er dran. In seinem Schlepptau sah ich zu allem Überfluss auch noch Chris. Tja, das kann ja noch was werden. Vor der Zielschikane presste sich Peter innen rein. Es fehlte ein Hauch, um direkt zu kontern. Ich holte in der Schikane extra weit aus und prompt stach Chris innen rein. Wie kann man sich nur in einer Schikane von zwei Leuten überholen lassen? Naja, immerhin hauten die beiden mir nicht ab und wir flogen nun in leicht geänderter Formation um den Kurs. Doch schon eine halbe Runde später hob Chris plötzlich die Hand. Ich brauchte einen Moment, um die roten Fahnen zu erkennen, Rennabbruch.
In der Seng hatte Volker Tack seine Streety nachhaltig geerdet, zu meiner großen Erleichterung stand der kleine Mann aber optisch unversehrt im Grün und wartete auf Hilfe. In der Boxengasse war zunächst nicht klar, ob es einen Restart geben würde. Micha D. kam zu mir und gratulierte mir zum Sieg. Falls er glaubte, damit seine Hässlichkeit auszugleichen, hatte er sich aber geschnitten. Ich war verwirrt, da ich eigentlich nur Vierter war. Okay, Chris war Gaststarter, aber was war mit Christoph und Peter? Es stellte sich heraus, dass beiden wegen der nervösen Startphase jeweils ein Frühstart mit 20sek Zeitstrafe aufgedrückt wurde. Eine durchaus harte Entscheidung, aber gleich drei Offizielle bekräftigten den Frühstart. Ich mag mir kein Urteil erlauben, fühlte mich jedenfalls nicht so richtig wohl in meiner Haut als Sieger am grünen Tisch. Als eigentlich alle schon zurück ins Fahrerlager fahren wollten, kam die Entscheidung zum Restart, drei Runden mit vollem Vorstartprozedere. Eine wahre Achterbahnfahrt der Anspannung und Konzentration. Beide Läufe würden am Ende zusammengezählt und die Zeitstrafen jeweils berücksichtigt.
Wieder am Start hatte ich nur noch zuckende Vorderräder im Kopf und wollte unbedingt einen Frühstart meinerseits verhindern. Ergebnis war der schlechteste Start seit es motorbetriebene Zweiräder gibt. Ich war auf Position 7 oder 8 gelandet. Auf dem Buchhübel presste sich noch jemand durch. Mir platzte der Kragen. Wenn ich so weiter machte, würde Christoph trotz 20sek Strafe gewinnen. Ich vergaß kurzfristig meine guten Manieren und überholte auch an Stellen, wo es eigentlich nicht ging. Nach anderthalb Runden trennte mich nur noch Robert Hielscher vom Pärchen Geh/Schmid. Ich überholte ihn Ende der Seng auf der Bremse außen. Ich fand mein Manöver schon recht grenzwertig. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Max Bittmann hatte sich einfach an mich drangehängt und stach hinter mir auch noch am Robby vorbei. Laut überlieferten Zeugenaussagen wohl das engste Manöver ever. Für solche Fälle empfiehlt sich eine Heckkamera. Ich werde das in Oschersleben mal probieren.
Nun denn, ich beendete das Rennen mit einigem Abstand auf Platz 4. Christoph Hellmich brannte eine unglaubliche 36,0 in das Vogtland und wurde durch die Zeitstrafe doch nur Zweiter (vor Peter Geh , bereinigt um den Gaststarter Chris, der das Rennen vor mir gewann). Das spiegelt nicht den Rennverlauf wieder, aber diesmal bleib vor Meister Hellmich nur der Sieg der Herzen. Trotzdem ist der letztjährige Sieger des T-Cups auch dieses Jahr der größte Favorit für den Gesamtsieg. Mal sehen, was in Oschersleben geht und ob Fritz auch wieder mitspielen kann.
Wir sehen uns in der Magdeburger Börde, 45
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>>> immer auf der Suche nach 'ner guten Zeit...
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