Gerade komme ich von einem kleinen, spontanen Ausflug zurück, der mich nach Eggenburg geführt hat.
Route: Von Wien über Kloburg auf der 14er nach Tulln, dort über die Donau auf der 19er bis zur Kreuzung mit der Horner Bundestraße (B 4), auf dieser weiter bis Maissau. Eggenburg ist dann schon ausgeschildert und nur mehr ein paar Kilometer auf der 35er entfernt. retour: über Hollabrunn, dann auf der 303er (wird gerade umgebaut zur Schnellstraße, bzw. ist das großteils schon) nach Stockerau und auf der 3er über Korneuburg nach Wien.
Ziel: Motorradmuseum Eggenburg (gut ausgeschildert, ist gleich beim Bahnhof) -> Motorradmuseum
Dauer: von Wien aus etwa einen halben Tag, wenn man nur zum Museum fährt, dieses gründlich besichtigt und dann wieder ohne Jause oder Mittagessen heim braust.
Entfernung: von Wien auf der beschriebenen Route bis zum Museum etwas über 100km. Hin und retour wie beschrieben bei mir (wohne in Simmering) knapp 200km .
Anspruch: fahrerisch gesehen recht fad und auch für Anfänger gut geeignet. Bis Tulln kommt man sowieso nur von einer Ortschaft in die andere, sodaß man überall 50er bzw. 70er-Berschränkungen hat. Danach wird es besser und man kann ein bißl angasen. Die einzige "Herausforderung" ist die Spitzkehre (leider nur eine) nach Gugging auf der 14er.
Sehenswürdigkeiten: uje, wo soll ich anfangen? Kloburg: sehr schönes Stift, das kulturgeschichtlich interessant ist (wurde vom im Auftrag Kaiser Karl VI. umgebaut, um den Escorial bei Madrid zu übertreffen. Allerdings hat man nur weniger als ein Viertel fertiggestellt bzw. barockisiert, und der Kaiser verlor das Interesse daran, er hat auch nur einmal dort übernachtet. Kaisergemächer kann man sich aber anschauen). Für die Kunstfreunde, die über moderne Kunst schimpfen, ist die Sammlung Essl zu empfehlen, um dort einmal zu sehen, worüber man eigentlich schimpft. Ein wirklich empfehlenswertes Museum. In Tulln ist die Gartenschau nicht schlecht, selbst Anti-Grünlinge wie ich finden dort recht interessante Sachen (Philosophie eines Zen-Gartens etwa oder den gefühlt 500m (wenn man die Stiegen hinaufsteigt und nicht den Lift nimmt) hohen Aussichtsturm, von dem man einen wunderschönen Ausblick hat). Auf der Rückreise gibt es außer viel Gegend eigentlich nichts, was interessant ist, sieht man von der Burg Kreuzenstein zwischen Stockerau und Korneuburg ab.
Straßenverhältnisse: Es geht meistens. Gebaut wird viel und viele Radarkästen, besonders bis Tulln.
So, nun zum eigentlichen Ziel: Das Motorradmuseum Eggenburg ist jedem, der ein Faible für Eisen hat, schwer zu empfehlen. Besonders Österreicher, die - wie ich - in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts moped- und motorradmäßig sozialisiert wurden, werden in den ersten Räumen und im 1. Stock ihre Freude nicht verbergen können! Zu Beginn viel Puch (auch die Legenden wie die "Desn" (=DS50), die Postlermopeds oder Puch Maxi in allen möglichen Ausführen werden geboten!), obwohl natürlich auch KTM und andere österreichische Marken vertreten sind. Die Exponate des Museums datieren aus der Anfangszeit des Eisenbaues (1906 das älteste Modell, siehe Beiwagenmaschine unten) bis hin zu den 80er Jahren (Suzuki GSX750 war das modernste Eisen).
ABER: Ein Haufen wirklich wunderbarer Eisen ist auch noch zu sehen: Norton Rennmaschine (keine Manx, aber wahrscheinlich ein Vorläufer), Rudge, eine absolut sehenswerte Brough Superior (das absolute Nonplusultra der Zwischenkriegszeit in technischer wie ästhetischer Hinsicht und vor allem was die Exklusivität anbelangt; mit einer Brough hat sich Lawrence von Arabien dersteßen!), BSA, und natürlich die Urahnen unseres Eisens Triumph. Für unsere bundesdeutschen Kollegen ist auch noch eine äußerst seltene deutsche Triumph (siehe Bild) zu sehen (wissen eigentlich alle, daß es auch eine dt. Motorradmarke namens Triumph in Nürnberg gegeben hat?). Sonst noch etliche Rennmaschinen aus den 70er und 80er Jahren (TZ250, Rotax-Harris, aber auch Motorcrosser wie Kinigardners 500er WM-Maschine). Neben den Motorrädern gibt es auch eine kleine Abteilung für Fahrräder (Waffenrad!) und einen Raum für die Modellbauer (Panzer des WK II, soweit ich das erkennen konnte, hat mich nicht sonderlich interessiert). Dann gibt es noch eine Halle mit dem ebenfalls schon zum Kultobjekt gewordenen Puch Haflinger, in allen möglichen und unmöglichen Ausführungen. Überall hängen Plakate (für die Feministen/-innen weiter unten ein Bild aus Zeiten als man noch nicht über Sexismus in der Werbung diskutiert hat).
Fazit: Ein wirklich großartiges Museum, das um Welten mehr bietet als auf der oben verlinkten Homepage zu sehen ist. Unbedingt anschauen, wenn man auch nur einen Funken Sympathie für Motorräder hat und sich ein bißl für Technik begeistern kann (etliche Schnittmodelle sind zu sehen etc.). Sehr liebevoll gemacht und bis ins Detail stimmig: selbst die Postleruniform der Kleiderpuppe paßt zum Moped. Jetzt zum Minuspunkt: Das Museum hat nur mehr bis November offen und übersiedelt im nächsten Jahr, was bei der Masse an Exponaten dauern wird. Also noch heuer anschauen, nächstes Jahr wird es geschlossen haben.
Ein paar Bilder zur Illustration meiner Faszination für dieses einmalige Museum: Nr. 1: Monarchistenpuch aus dem Jahre 1906 (man beachte die Fahne der k.u.k. Monarchie davor!) Nr. 2: einer der Urahnen der Zweiräder Nr. 3: Desn Nr. 4: Weltreisepuch Nr. 5: Werbeplakat Nr. 6: Triumph aus Nürnberg Nr. 7: Triumph Twin Nr. 8: Brough Superior Nr. 9: Unbekannter Sonderzug!
Servus aus Wien-Kaiserebersdorf

Zuletzt geändert: 13.06.2009 15:28
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