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Dennis #9

FreshBoarder

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Beiträge: 155



12.05.2009 22:05
Hajo's erster Rennbericht der Saison '09 Zitat · Antworten

...viel Spaß beim lesen



T-Cup 2009, alles auf Anfang

Packende Zweikämpfe, diverse Überholmanöver und Spannung im gesamten Feld, viel Spaß auf und neben der Strecke. Der T-Cup begann am ersten Maiwochenende 2009, wie er 2008 in Dahlem endete. Einzige Ausnahme: Das Wetter. Während seinerzeit in der Eifel Weltuntergangs-Propheten problemlos neue Jünger gefunden hätten, waren die Bedingungen in Oschersleben ausnehmend perfekt. Sonne satt und Temperaturen um 20 Grad. Der Wettergott muss ein Aufzünder sein.

Im Rahmen der 1000 Berge Trophy vom MSF Sauerland fand vom 01.-03. Mai ein ganzes Füllhorn an Rennen in der Magdeburger Börde statt. Neben Seriensportläufen, Bördesprint und diversen anderen Cups war auch der Triumph Street-Triple-Cup am Start. Mittlerweile im zweiten Jahr, aus den allerkleinsten Kinderschuhen entwachsen, traf sich heuer erneut ein bunt gemischtes Feld zum allgemeinen, hemmungslosen Angasen. Ein genauerer Blick in die Starterliste und auf die Historie der einzelnen Glücksritter bringt dabei wahrlich bemerkenswerte Dinge hervor.

Allen voran die Geschichte von John Riedemann. Nach einem Motorradunfall, der seinen rechten Arm nahezu funktionslos machte, steckte er mitnichten den Kopf in den Sand, sondern rüstete kurzerhand diverse Zweiräder auf ein System um, dass ihm die komplette Kontrolle mit der linken Hand erlaubte. Meinen größten Respekt vor dieser Entschlossenheit und Gratulation zum Top Ten Platz im zweiten Rennen.

Auch Katrin „Hexe“ Meyer, normalerweise in der 125er IDM unterwegs und noch mit einer Größe gesegnet, die jeden Jockey neidisch machen würde, mischte das Feld mächtig auf. Die 17jährige lieferte sich im zweiten Rennen einen spannenden Kampf mit Supermoto-DM Fahrer Mo (Johannes) Hoffmann. Das rasende Mädel entschied den Fight letztlich für sich und stellte die Triple mit gerade mal 0,2sek Vorsprung auf Platz 5. Beide saßen zum ersten Mal auf einer Triumph, was sie nicht davon abhielt, 39er und 40er Zeiten in den Asphalt zu brennen.

Familie Tack startet dieses Jahr gar ein familieninternes Duell. #5 Thomas schickt diesmal seinen Vater Volker ins Rennen. Die Messlatte liegt hoch. Thomas hat einen 6. Gesamtrang vorgelegt. Wir werden sehen, wer am Ende der Saison die Familienkrone tragen darf.

Neben diversen weiteren Zündern mit rennbelasteter Vorgeschichte macht der T-Cup auch dieses Jahr seinem Ruf als Einsteiger-Serie alle Ehre und lockte einige Cup-Novizen an die Rennstrecke: #66 Mike Wegner z. B, der sich mit dem Cup genauso wie #6 Wolff Walper einen Jugendtraum erfüllt. Oder Horst Ulrich Fuhrmann, Startnummer 10, der gar mit eigenem Schrauber sowie Mentor Günther anrückte. Günther war in den 70ern und 80ern mit üblen Zweitaktbrennern in der DM unterwegs und dient nun als gute Seele des Teams. Die Jungs kampierten im Fahrerlager direkt gegenüber meiner bescheidenen 1-Mann Homebase und brachten mich mit ihren Fragen zuweilen zum inneren Schmunzeln. Nicht wegen der Zeiten, die durchaus noch Verbesserungspotenzial bergen. Es sind andere Dinge, die das Leben schön machen. Z.B. das breite Grinsen, dass Horst wirklich jedem entgegenstreckte oder die Anekdote, die mir Günther nach dem zweiten Turn steckte: Horst hatte vor lauter Aufregung seine Brille vergessen und die Strecke ohne klare Sicht geentert. Das so was durchaus hilfreich sein kann, zeigten die Rundenzeiten. Sie waren um mehrere Sekunden gefallen. Manchmal ist weniger eben mehr und wenn es nur die Sicht ist.

Genug der einleitenden Worte, lasst uns über Taten sprechen. Am Freitag standen für uns zwei Turns auf dem Programm. Der Allererste dient naturgemäß zum Beine ausschütteln und Einschießen auf die Strecke. Robby Hielscher opferte sich bei der Gelegenheit und überzeugte sich spontan vom ordnungsgemäßen Zustand der Kiesbetten. Einer muss den Job ja machen. Ein fulminanter Überschlag, der Überlieferung nach perfekt vorgeführt, sicherte ihm genug Arbeit für den Nachmittag und den ersten Pokal des Jahres. Schneller stürzte niemand. Er trug’s mit Humor und puhlte sowohl den abgebrochenen Zündschlüssel aus dem Schloss als auch die abgerissene Schraube aus dem Gewinde der Ständerhülsenaufnahme. Am Abend war der kleine Bolide bis auf Kratzer wieder einsatzbereit.

Beim zweiten Turn, der das erste Qualifying darstellte, zeigte Dietmar Franzen himself, dass man auch nach 2 Jahren völliger Moppedabstinenz verdammt schnell sein kann. Er stellte seine Gaststart-Triple mal eben mit einer 38er Zeit auf Pole. Wahrscheinlich aus Protest ob dieser Schmach blieb Fritz Spenner dem abendlich anberaumten Fahrwerksseminar fern und schmiedete lieber Pläne, wie er am folgenden Tag zurückschlagen konnte. Das letzte, was ich hörte, war das Wort „Kompressor“. Es würde in jedem Fall fürchterlich werden. Das restliche Fahrerfeld lauschte brav den Ausführungen vom Chef. Leider sind diese Fahrwerksseminare meistens sehr gemein und frustrierend. Wer erwartete, endlich ein Patentrezept für das wahrscheinlich größte Problem der Zündheit zu bekommen, wurde enttäuscht. Trotz der sehr gut vorgetragenen Einblicke in die Untiefen dieser Thematik bleibt als Fazit festzuhalten: Das Fahrwerk ist ein Thema voller Missverständnisse und tendiert in seiner Komplexität gegen unendlich, leider.

Am Samstag morgen hatte Fritz die Gelegenheit, die Welt wieder in ihre Fugen zu rücken. Er nutzte sie. Mit einer 38,6 drückte er sich im zweiten Zeittraining auf Pole. Platz 2 belegte Dietmar, dahinter meine Wenigkeit und der seit Dahlem erstarkte Peter Geh. Auf der startgünstigen fünften Position (weil außen) hatte sich Vorjahresmeister Hellmich gestellt, gefolgt von Mo Hoffmann, Uli Bonsels und der rasenden Hexe Katrin Meyer. Es war angerichtet für den ersten Heat der Saison 2009. Insgesamt lagen die Rundenzeiten ca. 1 Sekunde über Vorjahresniveau. Aber was wirklich geht, zeigte sich wie so oft erst im Rennen.

Um 11:55 Uhr blickte ich nach über einem halben Jahr endlich wieder auf eine freie Strecke. Kurze Ruhe. Warum sind diese Fahnenschwenker eigentlich immer so klein? Warum muss das „1 Lab“ Schild, dass uns Ottmar vom Starthäuschen entgegenstreckte, in Englisch sein? Hatte ich eigentlich die Heizung im Wohni ausgemacht? Wollte ich nicht nochmal auf Toilette? Hören diese bekloppten Gedanken in der Startaufstellung wohl irgendwann auf? Ich wusste es nicht. Das kleine grüne Männchen verzog sich nach Blickkontakt zu Ottmar. Alle Lampen auf Rot. Leere im Kopf. Aus. Alles Gewicht aufs Vorderrad. Ähnlich einer Rakete gewinnt die Triple erst langsam an Fahrt und tänzelt mit leicht erhobenem Vorderhuf über die Strecke. Drosselklappen auf Anschlag. Voller Schub. Ich hatte schon schlechtere Starts.

Hellmich ging außen vorbei, Peter Geh innen. Ich bog als vierter in die Hotelkurve ein. Seit einiger Zeit bin recht gut darin, sofort auf 100% gehen zu können. So auch diesmal. Ich presste mich noch vor der Hasseröder an Peter vorbei und heftete mich an die Remustüten von Christoph. Nach einer Runde vollstreckte ich aus dem Windschatten Ende Start/Ziel. Soweit so gut. Zwei hin, einer im Sinn. Eine Runde später drückte ich mich eingangs Start/Ziel an Fritz vorbei und konnte kurz das Privileg des Führenden genießen. Freie Sicht nach vorn. Da ich leider die Aerodynamik und das Gewicht einer Schrankwand habe, dauerte es nur wenige 100m, bis der fiese Fritz wieder an mir vorbeiflog, eine Farce. Kurze Zeit später drückte sich Dietmar Franzen als getarnter Rico Penzkofer an mir vorbei. Wie sollte es anders sein, folgte alsbald auch noch Christoph Hellmich. So stark, wie ich die Rennen beginne, so stark baue ich auch ab. Daran muss ich definitiv arbeiten. Und das ist nicht konditionell gemeint. Wie auch immer, obwohl ich zum Ende noch ein paar Meter auf Cheffe Franzen gut machen konnte, reichte es nicht zum Vollstrecken. Ich lief auf Platz 4 in den Hafen der Boxengasse, gefolgt von Mo Hoffmann und Peter Geh. Uli Bonsels, Dennis Kaßburg, Katrin Meyer und Vater Tack komplettierten die TopTen des ersten Rennens. Mike Wegner und Karsten Riechel entjungferten ihre 2009er Triples im Kiesbett. Leicht verstaubt, aber ohne größere Schäden entstiegen beide den Erdverwerfungen am Rande der Strecke. Beide waren zum zweiten Rennen wieder am Start und sahen diesmal auch die karierte Flagge.

Das Fahrwerksseminar schien doch etwas gebracht zu haben. Mit 9 Klicks Druck und 14 Klicks Zugstufe am Federbein sah der Hinterreifen halbwegs passabel aus. Er würde zum zweiten Rennen definitiv drauf bleiben. Der vordere war eh kein Thema, der hält ewig. Kein Witz, ein Fahrer des Vorjahres, nennen wir ihn der Einfachheit halber Rainman, versicherte mir glaubhaft, dass er die gesamte Saison 2008 mit einem einzigen Vorderradreifen unterwegs war.

Pünktlich um 14:15 Uhr standen wir wieder an Pit Lanes End und Günni ließ uns erneut auf den Spielplatz für die großen Jungs. Diesmal klappte mein Start noch einen Hauch besser, ich war ab der Triple direkt hinter Fritz und gab alles, um nicht abreißen zu lassen. Zu meiner Freude gelang es hervorragend. Nach einigen Runden hatten wir einen recht ordentlichen Vorsprung auf Hellmich und Konsorten herausgefahren und ich beging den ältesten Fehler aller Rennfahrer, ich wartete ab. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Regel 12 im großen Zündbuch besagt nicht umsonst seit jeher: „Wenn du kannst, dann sollst du!“ Ich konnte, wollte aber nicht, hatte irgendwie Angst vor der eigenen Courage. Nun denn, die Strafe folgte auf dem Fuße. Durch Überrundungen entstanden kleine Lücken zu Fritz, die ich nicht richtig zufahren konnte. Als Fritz endgültig abzuhauen drohte, drückte sich auch noch Kollege Hellmich innen rein. Verdammte Naht, jetzt hatte ich aber die Nase voll. Eingang Start/Ziel presste ich mich wieder vorbei, kam dafür aber mehr als bescheiden auf Start/Ziel. Christoph flog wieder vorbei, ich ging in seinen Windschatten. Ende der Zielgeraden lag ich auf Höhe der Brücke immer noch flach wie eine 10jährige auf meinem weißen Boliden. Ein denkwürdiges Bremsmanöver brachte mich wieder nach vorn. Leider hatte die Nummer einen Haken. Alle Kanäle waren mit Bremsen belegt, sauberes Runterschalten unmöglich. In der Hotelkurve schaltete ich den vermeintlich fehlenden Gang runter, um am Ausgang beherzt am Kabel zu ziehen. In dem Augenblick wusste ich, dass ich verloren hatte. Ich war im vierten anstatt im dritten Gang gelandet. Das Leben ist hart aber ungerecht. Die kleine Engländerin röchelte untertourig aus ihrer Airbox, Christoph schoss an mir vorbei und machte sofort ein paar Meter gut. Meine Konzentration war weg, ein paar Überrundungen sorgten für eine Lücke und ich rollte nurmehr als Dritter am Fahnenschwenker vorbei. Peter Geh folgte recht einsam auf Platz 4. Hexe Katrin kam wie schon oben erwähnt hauchdünn vor Mo Hoffmann und Uli Bonsels auf Platz 5 ins Ziel. Robert Hielscher und Perry Rodam kamen auf den Plätzen 8 und 9 ins Ziel. Den letzten Platz der ersten Zehn sicherte sich John Riedemann aus der Powerfull-Truppe. Helmut Freiberger, auch Lala genannt, verewigte sich in der Hotelkurve und musste zwei Runden vor Schluss noch in den Dreck. Aber auch ihm ist nix passiert.

Kurzes persönliches Fazit des Wochenendes: Diesmal war mehr drin. Rennen fahren ist wie Sex, es spielt sich zu 90% im Kopf ab. Die hohe Kunst, ein komplettes Rennen am Limit zu fahren, wird mich wohl ewig beschäftigen. In vier Wochen habe ich die nächste Chance. Schleiz wartet. Das Ding wird ein Fest. O-Ton einer SMS eines etwas zu lang geratenen Bekannten, der beim Verfassen dieser Zeilen in Schleiz weilt: „Schleiz ist so geil! :-) Allein Wurst essen und Korea trinken rockt schon fürchterlich!“. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Bis bald in diesem Theater, wir sehen uns in Schleiz.
#45


WER SPÄTER BREMST, FÄHRT LÄNGER SCHNELL!!!



oivlis

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14.05.2009 18:26
RE: Hajo's erster Rennbericht der Saison '09 Zitat · Antworten

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Grüße aus Weinstadt...

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