|
Hallo Leute, ich kann zwar weder so gut fahren noch so gut schreiben wie Hajo Ammermann, vielleicht habt Ihr aber dennoch Spaß an dem Auszug meines persönlichen Tagebuch zum T-Cup 2009. Beste Grüße. Mike
Donnerstag, 30.04.2009 14.00 Uhr Abfahrt vom Garagenhof
16.00 Uhr Ankunft Oschersleben, kurzes 'Hallo' bei Frank Hoffmann am Franzen/G-Lab Truck, dann Aufbau von Wohnwagen und Pavillon, im Anschluss Frank geholfen das Zelt vom Truck aufzustellen, Bridgestone Truck ist auch eingetroffen – man verweist mich mit der Montage des BT003 jedoch mit einem Hinweis auf die ausreichende Zeit zwischen Fahrerbesprechung und erstem Start auf den nächsten Morgen (wenn die wüssten was die ganzen Vorbereitungen für mich einen Stress bedeuten …), ein paar Bierchen am Abend mit den Mädels und Jungs von Franzen und den Teilnehmern, die bereits eingetroffen sind (u. A. Dennis, Wolf, Ulli von Triumph, Frank Hoffmann, Chantal und Dietmar Franzen, etc.); kurz vor dem Einschlafen lasse ich meinen Tagesablauf für Morgen Revue passieren: 07.30 Uhr Papierabnahme (wusste nicht, dass ich das heute schon hätte erledigen können), irgendetwas gegen 09.00 Uhr Fahrerbesprechung, im Anschluss Übergabe von Helm, Handschuhe und Wieres Kettenräder. Reifen- und Bremshebelmontage nicht vergessen. O-Gott wie soll ich das alles hinbekommen.
Freitag, 01.05.2009 06.59 Uhr Nicht der Wecker sondern ein übereifriger Nachbar schreckt mich aus dem Bett hoch
07.30 Uhr Die liebenswerte, alte Dame bei der Papierabnahme bittet mich noch einmal um 09.00 Uhr zu kommen da man erst die Jungs und Mädels vom Seriensport 'abfertigen' möchte. Super, ich hab schon jetzt das Gefühl mir rennt die Zeit davon…
08.30 Uhr Ich bin mutig und kehre zur Papierabnahme zurück, diesmal mit Erfolg allerdings auch mit einigem Papierkram, den ich weder erwartet hätte noch, dass ich inhaltlich alles verstehen würde (warum muss man für die technische Abnahme eigentlich Hub und Bohrung angeben wenn da bei der Cup-Streety eh nichts veränderbar ist?)
09.00 Uhr Technische Abnahme. Herr Kommissar bemerken, dass ich meinen db-Eater noch installiert habe. Shit, jetzt werde ich wohl einen Teil meiner Mitstreiter in die Pfanne gehauen haben … und tatsächlich, Gaststarterin Insa musste sich wohl von Herrn Kommissar eine Standpauke anhören, dass ihr Moped doch viel zu laut sei. Das scheint sie trotzt Messung aber nur bedingt zu stören. Im Training sehe ich an Stelle des db-Eaters ein gähnendes Loch.
09.30 Uhr Fahrerbesprechung, neben einer Vorstellung der Fahrer werden auch die anwesenden Vertreter der Sponsoren vorgestellt
10.00 Uhr Wir bekommen unsere X-Lite Helme. Puuh, was ein Glück, ein neues Design und nicht das vom letzten Jahr… Das Nolan/X-Lite Team gibt sich redlich Mühe uns das Knoff-Hoff der Helme zu erklären, die Passform zu prüfen und das gewünschte Visier zu montieren. Super, neben dem klaren gibt es wahlweise noch ein getöntes oder verspiegeltes Visier dazu. Ich entscheide mich wie meine Mitstreiter für das dunkle Visier.
Wo sind eigentlich Handschuhe, Kettenräder und noch nicht montierter LSL-Bremshebel? Noch einmal zum G-Lab/Franzen Truck. Frank Hoffmann versorgt mich auch mit diesen Dingen noch, die ich als Einziger im Zelt vergessen habe. Frank empfiehlt vorne einen Zahn weniger als Serie zu montieren.
10.45 Uhr Demontage von Vorder- und Hinterrad (ging besser als erwartet), die Jungs von Bridgestone bitten mich in ca. 20 min. zurück zu kommen. Die Räder wären dann fertig.
11.20 Uhr Jetzt sind die Räder tatsächlich fertig, da kam wohl noch etwas Eiliges dazwischen.
11.30 Uhr Das Vorderrad ist montiert, meine Kumpels Dieter und Christian treffen ein, Reifenwärmer werden montiert, 70 Grad sollten reichen!?
11.40 Uhr Mit Christians Hilfe ist jetzt auch das Hinterrad wieder montiert. Ich bin einfach zu fi..rich um das alleine hin zu bekommen. Danke Christian! Ohne Dich wäre ich nicht mal aus dem Fahrerlager gekommen.
11.45 Uhr Frank hat das vordere Ritzel mit dem Schlagschrauber gelöst, ich soll wieder zurück kommen wenn ich das Ritzel getauscht habe.
11.55 Uhr Dank Schlagschrauber von Frank ist das neue Ritzel wieder befestigt, nur noch das Sicherungsblech umbiegen und das Schaltgestänge wieder befestigen. Wo ist eigentlich der Spacer vom Schaltgestänge? Ah, da liegt er ja auf dem Boden, an der Stelle wo wir das Ritzel gelöst haben. Zum Glück kommt in Oschersleben nichts weg.
12.10 Uhr Rein in die Klamotten, ich fühl mich in den neuen Klamotten dann doch noch ziemlich beengt. Na ja, der erste Schweiß wird es schon richten…
12.20 Uhr Reifenwärmer runter und auf zum freien Training!
12.25 Uhr Nach kurzem Warten in der Boxengasse geht es pünktlich auf die Strecke – endlich! Alles ballert los als gäbe es keinen Morgen mehr. Einfahrrunde? Fehlanzeige! Ach ja, die Reifen sind ja schon warm. Geht auch prima. Das Vertrauen ist bereits nach der zweiten Kurve geweckt.
Der Triple läuft gut, habe allerdings arge Probleme mit den hohen Drehzahlen (meine Zweizylinder machen bereits zwischen 6.700 –Buell- bzw. 9.000 U/min –Ducati- zu). By the way, aktueller km-Stand des Triples ist exakt 199 km, die ich auf dem Spreewaldring bei Berlin zum 'Einstimmen' (von Einfahren kann man ja kaum reden) gefahren bin. Bremsen sind warm bestialisch, Motorbremse defakto kaum vorhanden. Letzteres macht es mir auf der Strecke etwas einfacher. Um das Thema stempelndes Hinterrad muss ich mich bei der 675er also nicht kümmern.
Der erste Turn verläuft ruhig und sturzfrei. Ich habe das Gefühl, das gesamte Fahrerfeld ist mindestens einmal an mir vorbeigeballert. Ich habe dennoch riesigen Spaß.
13.30 Uhr Dennis (T-Cup 2008 #9, jetzt Gaststarter #98) fragt mich ob ich denn schon meine Zeiten und Platzierung gesehen hätte. Ich: Nö, gibt es denn schon welche? Dennis verweist mich an das 'schwarze Brett' am Shell-Tower gibt mir aber schon auf den Weg, dass das gar nicht so schlecht aussieht. Ergebnis: Beste Runde ist eine hohe 1:46er Zeit = Platz 11. Na ja, ich vermute gleich, dass da einige Teilnehmer doch noch nicht so richtig Gas gegeben haben. Mit meiner Zeit bin ich jedoch erst einmal sehr zufrieden. Hatte eher mit einer 1:50 gerechnet.
Jetzt gilt es fast 4 Stunden auf das 1. Zeittraining zu warten. Meine Kumpels halten mich mit allem möglichem auf Trab: Guck mal hier! Was machen wir dann? Wie und wann bauen wir an den anderen Mopeds was? Etc., etc. Kurz vor dem ersten Zeittraining bin ich eigentlich vollkommen platt. Die Sonne hat mein Hirn eingetrocknet und weil man nun mal Kumpel ist, hat man seine selbigen bzw. deren Mädels auf den Stühlen und sich selbst auf dem Reserverad vom Wohnwagen 'entspannt'. Das Ergebnis ist entsprechend schlecht. Hohe 1:48er Zeit in der besten Runde = Platz 20. Jetzt haben aber auch die anderen begonnen etwas härter am Kabel zu ziehen. Selbst mit der Zeit aus dem freien Training wäre meine Platzierung also kaum besser gewesen.
Am Abend gibt es nach einem Fahrwerk-Workshop mit Dietmar Franzen Würstchen und Bier. Erste Freundschaften werden geschlossen. Ich falle müde und zufrieden in meine Koje. Zum Glück ist meine 'Perle' –Heike- dabei, die sich trotzt meiner Nervosität und Hektik liebevoll um mich gekümmert hat.
Samstag, 02.05.2009 08.00 Uhr Shit, verpennt! Watt is mit dem blöden Wecker und warum ist mein lautstarker Nachbar nicht mehr da? Schnell 'Maul ausfegen', Kaffee und Frühstück. Heike kümmert sich wieder um ihr Nervenbündel…
08.30 Uhr Reifenwärmer sind montiert, Ölstand kontrolliert und Sprit wieder aufgefüllt. We are ready to race!
Das 2. Zeittraining läuft wieder ein wenig besser. Vorne steht in der schnellsten Runde wieder eine 1:46.
Keine Ahnung warum, aber meine Kette schlabbert rum als hätte ich vergessen die Spannung zu korrigieren nachdem ich das vordere Ritzel gewechselt hatte. Habe ich aber nicht.
Mein Hinterreifen ist auf der rechten Seite leicht aufgerissen. Meine Frage an Hajo Ammermann #45 nach weiterer Verwendung des Reifens wird mit ‚kommt drauf an‘ beantwortet. Ich glaube er wollte eher sagen, wenn sich meine Rundenzeiten nicht schlagartig um 5 bis 7 Sekunden verbessern würden, würde der Reifen auch noch die anstehenden Rennen überstehen. Zum Glück ist er aber nicht so direkt. Danke Hajo!
Die Jungs von Bridgestone bauen mir dann meine notwendige Brücke (schönes Wortspiel: Bridgestone-Brücke). Den Reifen könnten sie mir entweder umdrehen –das wäre bei meinen Rundenzeiten und auf dem Kurs hier durchaus möglich > autsch, wieder aufs Schlimme- oder ich nutze ihn noch einmal für das nächste Training in Schleiz. Die Montage kostet mich ja eh nichts. Ich entscheide mich für einen neuen Reifen und behalte den Alten zum vorgeschlagenen Zweck.
MEIN ERSTES RENNEN! 11.00 Uhr ich bin viel zu früh in meinen Klamotten, auf Empfehlung der Bridgestone Jungs heize ich ab jetzt kurz vor dem Rennen auf 80 Grad. Max Bittmann #20 begegnet mir. Ihm ist kotz übel. Das ist dann wohl seine Art den Adrenalin-Überschuss zu verarbeiten. Bei mir muss wieder Heike herhalten. Zum Glück liebt die mich nach 14 Jahren noch immer. Danke Engelchen!
Triumph-Ulli gibt mir noch ein paar Tipps zum Start. Frank ermahnt mich locker zu bleiben. Klar bin ich locker, so locker wie das Anzugsdrehmoment meiner Hinterachse, dass ich vorsichtshalber noch einmal geprüft habe.
Es geht auf die Strecke. Ich halte mich an Max, der mit einem ähnlichen Trainingsschnitt wie ich an den Start gehen muss (er war ob der Zeiten ziemlich enttäuscht von sich selbst, ich bin aber zuversichtlich, dass ihm sein jugendlicher Ehrgeiz im Rennen die angestrebte Platzierung ermöglichen wird). Dank Max finde ich meine Startposition auf Anhieb. Ganz rechts direkt an der roten Ziellinie. Das finde ich dann sicherlich auch ohne mein ‚Nummernschild‘ auf der Strecke nach der Einführungsrunde wieder.
Die Freigabe zur Einführungsrunde erfolgt wie auch bei meinem aller ersten Rennen in Bremerhaven (Fischereihafen-Rennen 2008) Reihe für Reihe. Zum Glück, so kann ich mich also nicht blamieren.
Ich übe das erste Mal meinen Start. Der vorgeschlagene Ablauf von Ulli funktioniert auch für mich einwandfrei. In meiner Reihe haben alle Gas angelegt und wir fliegen fast gleichzeitig auf die erste Kurve zu. Wie erwartet finde ich nach der Runde meine Startposition auf Anhieb.
START! Dieses Mal funktioniert der Start nicht so reibungslos. Mir geht das Vorderrad hoch und die beiden Reihen hinter uns überholen mich fast komplett. Erst in der ersten Kurve kann ich aufgrund meiner günstigen Startposition wieder ein paar Plätze gut machen. Es gelingt mir in der ersten beiden Runden am Mittelfeld dran zu bleiben. Erst der Überholvorgang eines Mitstreiters lässt meinen Kontakt zur Gruppe abreißen.
Wenn mich nicht alles täuscht ist da John Riedemann an mir vorbei geflogen als wenn ich stehen würde. Wer John kennt oder von ihm mal gehört hat weiß, dass er nach einem bösen Motorradunfall mit einem starken Handicap leben muss. Sein Motorrad wurde auf Gas, Kupplung und Bremse auf der linken Seite umgerüstet (mehr dazu auf das-gas-ist-links.de). Ich hatte leider noch keine Gelegenheit es ihm zu sagen, aber John ist bereits jetzt mein persönlicher Held in diesem Cup.
Ich fahre ein paar Runden alleine. Ich sehe die Gruppe vor mir in weiter Ferne. Der ‚heiße Atem‘ meiner Verfolger scheint aber ebenfalls ein Stück entfernt zu sein. Nun denn, versuchen wir mal was Neues. Andere Einlenk- und Bremspunkte. Nach meiner schnellsten Runde (juhu, es steht eine 1:45 vorne auf der Uhr!) geht es auf die Hasseröder zu. Blitzschnell, neuer Ablaufplan im Kopf. Also, wie war das … BREMSEN – Scheiße, viel zu hart. Wo ist mein Motorrad, warum gibt es einen harten Schlag auf meine Ellbogen und warum zum Teufel sehe ich den Asphalt mit einmal aus der Maulwurf Perspektive? Der Aufprall ist nicht sehr hart, aber kurz danach habe ich das Gefühl ich würde auf wundersame Art auf dem Asphalt noch einmal beschleunigen. Ein, zwei eventuell drei Umdrehungen. Irgendwann muss sich das doch mal stabilisieren. Ich hebe ab. Das nächste was ich höre ist das knirschen von Kies und endlich bleibe ich liegen. Noch bevor ich aufstehen kann ist ein Streckenposten bei mir und hilft mir hoch. Alles in Ordnung höre ich fragen. Kurzer Check und ja, ich bin ok. Mein Moped liegt im Kies und ich würde mich am liebsten umdrehen und gehen, besinne mich aber eines besseren und helfe dem Streckenposten die Triple aus der Gefahrenzone hinter die Leitplanke zu schieben. Am vorläufigen Ziel angekommen schnaufen wir beide wie die Nashörner. O Gott, ich muss mich wirklich dringend um meine konditionelle Verfassung kümmern. Flagge grün! Ab jetzt bin ich Zuschauer.
Nach dem Rennen werden Motorrad und ich eingesammelt und zur technischen Abnahme gebracht. Meine erste Inspektion bestätigt sich. Außer einem verbogenen Kupplungshebel und abgeschliffener Fußraste ist eigentlich nichts defekt. Lediglich Wasserkühler, Verkleidung, Auspuff, Rahmen und Schwinge sind Kiesbettgestrahlt. Danke an LSL für die Sturzpads und an Hehl-Racing für den Lima-Deckel-Schutz. Die Dinger funktionieren prima. Danke aber auch an Streckenposten und Besatzung meiner 'Mitfahrgelegenheit', die sich allesamt fürsorglich um mich gekümmert haben.
Danke auch an die Jungs und Mädels im Fahrerlager, die so mitleidig dreingeblickt haben und mein blödes Grinsen wahrscheinlich so ganz und gar nicht verstanden haben. Ich war einfach nur happy, dass alles so glimpflich abgelaufen ist und das ich meiner Perle bei der ersten Durchquerung des Fahrerlagers noch signalisieren konnte, dass ich heile geblieben bin.
MEIN ZWEITES RENNEN! Nachdem ich fast zwei Stunden gebraucht habe um meinen 'Renner' wieder herzurichten (Vorderrad ein- und wiederausgebaut, Gabel entspannt, Auffangwanne, Motor und Auspuff vom Kies befreit, Hebeleien zurecht gebogen und, und, und!) geht es in die zweite Runde. Ich hatte eigentlich kaum Zeit richtig über den Sturz nachzudenken. Wahrscheinlich gut so.
Beide Starts verlaufen so 'la la'. Ist aber kein Problem. Ich fühle mich gleich wieder wohl auf meiner Triple. Keine Phobien in der Hasseröder und auch sonst keine Probleme. Der Verlauf ist erst einmal wie beim ersten Rennen. Ich bleibe zwei Runden am Mittelfeld und kann dann wieder nicht mithalten (ich sollte wirklich dringend an meiner Kondition arbeiten). Dann der Lichtblick. Nummer 6 -Wolf Waper- überholt mich, ich kontere und schaffe es mich zu behaupten.
Der nächste bzw. die nächsten Angriffe kommen vom 'Rainman' #44. Bis zum Ende des Rennens fighten wir immer wieder um die Position. Wir haben riesigen Spaß. Klaus überholt mich auf den Geraden, ich kontere auf der Bremse in den Kurven. Herrlich, so habe ich mir ein Rennen immer vorgestellt. Zum Ende habe ich Glück. Mein letzter Konter in der Shell S bestätigt meine Position vor Klaus. ‚Shake Hands‘ und Schulterklopfen im Fahrerlager. Spätestens jetzt ist die Welt für mich wieder in Ordnung. Danke Klaus, you’ve saved my day!
An diesem Wochenende gilt mein besonderer Dank meiner 'Perle' Heike für Kost, Logis, Medi und tröstender Worte, Dennis und seinem Papa für alle hilfreichen Tipps und Unterstützung, dem Franzen Team für eine unglaublich gute Orga und technische Unterstützung, Triumph-Ulli für die Start-Tipps und kumpelhaften Gespräche, meinen Mitstreitern für faire Rennen und nicht erwarteter Fürsorge und Hilfe.
CU in Schleiz!
>>> immer auf der Suche nach 'ner guten Zeit...
| |